Dezember 2015Südafrika

Dieses mal habe ich für zwei Monate von Kapstadt aus gearbeitet. Ich wohnte in einem kleinen Reihenhaus im muslimischen Viertel mit Blick auf das Zentrum und das Meer. Nur hier gibt es noch das alte Kapstadt mit den kleinen und bunten Häusern. Ich versuche mich auf die Arbeit zu konzentrieren und bin mittags in einem der vielen netten Cafés unterwegs. Am Wochenende spiele ich am Strand Beachvolleyball.

Die Hälfte der Volleyballer spricht perfekt deutsch. Es gibt hier 250.000 Deutsche bzw. Deutschstämmige. Hinzu kommen viele aus Namibia. Außerdem gibt es einige Südafrikaner, die auf die deutsche Schule gegangen sind. Die Wochenenden sind beachen pur. Völlig unkompliziert, einfach kommen, irgendwas geht immer. Außerdem gibt es offene Turniere. Das Niveau reicht bis zum Olympiateilnehmer. Es kommen viele über den Winter für ein paar Monate und versuchen Arbeit und Volleyball zu verbinden. Auf den Fotos seht ihr Harley, Benjamin, Grant und Jerome vor dem Tafelberg beachen. Das hier ist ein Show-Spiel zwischen Brasilien und Südafrika. Ich stand als zweiter Schiri in der ersten Reihe.

Mit Peter R bin ich die Garden Route entlang gefahren und wir waren in so wunderschönen Orte wie Sedgefield, Knysna und Plettenberg Bay. Unser Bed & Breakfast stand direkt auf der Düne am Wasser. Die PiliPili Bar in Sedgefield ist awesome. in Garden of Eden sind wir mit dem Mountainbike durch die Wälder und entlang der Küste gefahren. Die Route 62 führt zurück nach Kapstadt durch weite und fast unberührte Natur zu herrlichen Weingüter bei Stellenbosch und Franschhoek, wo es sich immer lohnt anzuhalten und ein Glas Wein zu trinken.

Der 5 kg schwere Adler lebt in den Drakensbergen, 2.000 km nördlich von Kapstadt, direkt östlich von Lesotho. Dort haben wir Silvester zusammen mit zwei Südafrikanerinnen und vier Rentieren gefeiert. Auf den Märkten wird gestoßene Baumrinde zur Heilung angeboten.

Im neuen Jahr sind Frank, Una und Luca eingetroffen und wir haben zusammen im Garten gefrühstückt. Anschließend haben wir das Township Masiphumelele besucht, natürlich zusammen mit einem Einheimischen. Die Zuwanderer besetzen zunächst das Land der Regierung mit einfachen Wellblechhütten, die sogenannte „informal area“. Nach vielen Jahren schenkt die Regierung das Land und baut Häuser und das Land wird zur „formal area“. Ein Teil des eigenen Grundstücks wird für 30 bis 120 EUR pro Monat an Leute aus Simbabwe vermietet. Die Mieteinnahmen reichen schon fast zum Leben. Allein das Township Khayelitsha neben der Autobahn N2 von der Innenstadt zum Flughafen hat eine höhere Einwohnerzahl als Namibia.

Wir waren ein paar Tage in Penhill, eine alleinstehende Farm zwei Stunden nördlich von Kapstadt. Ein wunderbarer Ort zum Mountainbiken und Hiken. Morgens kamen beim Frühstücken die Enten um die Ecke und in den Bergen hat eine große Schildkröte uns den Weg versperrt. Da anderen Bilder zeigen den Bay Harbour Market und die "Waldbühne" von Kapstadt.

In keinem Land ist der Unterschied zwischen Arm und Reich so groß wie in Südafrika. Erste und Dritte Welt leben Tür an Tür. Den Weißen gehört das Land und den Schwarzen bleibt das Township Khayelitsha. Unter den Volleyballern brach morgens eine Diskussion aus als einer berichtete, dass es pro Jahr 4.000 Morde in den Townships gäbe.

Ich habe eine Frau kennengelernt, die als Colored aus dem District 6 vertrieben wurde. Das District 6 wurde von der Apartheid-Regierung 1968 platt gemacht, um Lebensraum für die Weißen zu schaffen. Sie trägt noch Heute den Zorn mit sich und selbst Mandela hätte sie verraten. Es gibt aber auch viele Weiße, die sagen, dass der Rassismus der Schwarzen Heute größer wäre als im letzten Jahrzehnt der Apartheid.

Die wirtschaftliche Zukunft liegt nach wie vor bei den Weißen und teilweise bei den Indern. Und es sind nicht alle Ausbeuter. Ich kenne viele Weiße, die sich in sozialen Projekten engagieren. Aber die Weißen leben immer mit der Angst ihren Besitzt zu verlieren. Sie leben in ihrer Parallelgesellschaft und bilden Cluster der schönen und heilen Welt. Es gibt viele weitere Parallelgesellschaften, auch innerhalb der Schwarzen. Allein die 11 Nationalsprachen spiegeln diese Vielfalt wieder. Aber am Ende werden alle vom ANC regiert, dessen Willkür unberechenbar ist.

Ein Lichtblick ist die deutschstämmige Helen Zille (Großnichte des Berliner Maler Heinrich Zille), die 2009 mit großer Mehrheit in der Provinz Westkap zur Premierministerin gewählt wurde, auch mit vielen Stimmen der Schwarzen. Südafrika muss wieder den Weg der Versöhnung gehen, den Mandela so erfolgreich begonnen hat.

Hier in Kapstadt bekomme ich einen neuen Blick auf Deutschland. So schön eine bunte Vielfalt ist, so wertschätze ich auch eine homogene, friedliche und sichere Gesellschaft. Ich hoffe, dass uns die in Zukunft erhalten bleibt.