April 2017Georgien

Die 70 Jahre Bolschewismus haben ihre Spuren in Georgien hinterlassen. Das Land ist ausgelaugt. Viele Dörfer wurden inzwischen an das Elektrizitäts- und Gasnetz angeschlossen, wobei die Gasleitung in 3 Metern Höhe verlegt wird.

Aus der Sicht der Georgier wurden in den letzten Jahrzehnten gewaltige Verbesserungen erzielt. Aus unserer Sicht ist es immer noch ein armes Land. Das Bruttoinlandsprodukt pro Person beträgt im Vergleich zu Deutschland nur 1/10.

Die Georgier sind Europa zugewandt. Überall weht die europäische Fahne. Die Jugend möchte in Europa studieren.

In den großen Städten wie Tiflis, Batumi und Kutaissi wurden die Zentren sehr schön wiederaufgebaut. Die Restaurants werden mit viel Kreativität eingerichtet und das Essen ist georgisch gut.

Die Georgier haben auch eine eigene Musikrichtung, nicht zu verwechseln mit dem Gregorianischen Gesang, auch wenn sich beides ähnlich anhört. Es lohnt sich oben das Video anzuklicken.

Es wird gerne und viel getrunken. Dabei ist der Tamada für die Trinksprüche zuständig. Wir haben solange auf die Gastfreundschaft und die Mutter Erde angestoßen, bis wir aufgeben mussten. Entgegen der Vorwarnungen wird aber keiner zum Trinken genötigt.

Durch Georgien verläuft die Seidenstraße. Über Jahrtausende wurde Georgien aus allen Richtungen angegriffen. Heute leben viele Völker nebeneinander. Der kleine Ort Kabali im Nordosten ist zweigeteilt. Im Osten leben muslimische Aserbaidschaner und im Westen christlich orthodoxe Georgier. Die Kinder spielen nicht zusammen Fußball.

Im Südwesten haben wir auf über 2.000 m Höher ein Dorf mit Armeniern getroffen. Diese Armenier sind vor 100 Jahren aus der Türkei geflohen. Sie leben Heute in einer sehr kalten und kargen Landschaft. Kurze Zeit später treffen wir einen jungen Georgier. Er will mit diesen Armeniern nichts zu tun haben, weil sie eine ganz andere Religion hätten: die einen sind georgisch Orthodox und die anderen armenisch Orthodox.

Ich habe mir zu Beginn der Reise Toxoplasmose eingefangen. Dabei handelt es sich um einen Parasiten, der über das Essen aufgenommen wird. Leider gehöre ich zu den 18 von 100.000 Fällen, bei denen sich der Parasit auch im Auge eingenistet hat. Gleich nach der Infektion war die Sicht zunächst getrübt und später durch dunkle Flecken eingeschränkt. Schlimmstenfalls kann die Netzhaut nachhaltig geschädigt werden. Jetzt beobachte ich den Kampf zwischen den Wirkstoffen Trimethoprim und Sulfamethoxazol gegen den Parasiten Toxoplasma Gondii. Möge das Gute gewinnen.